Persönlichkeiten

Franz Rudolf Bornewasser
Theologiestudium in Bonn und Köln ab 1891, Priesterweihe in Köln 1894, Direktor des Gregoriushauses in Aachen 1899, Pfarrer in Elberfeld 1909, Pfarrer in Hasselsweiler 1914, Professor für Pastoraltheologie und Subregens am Kölner Priesterseminar 1916, Stiftspropst und zugleich Weihbischof in Trier 1921, Bischof von Trier 1922, Beauftragter der Fuldaer Bischofskonferenz für die Jugendseelsorge 1935
Franz Rudolf Bornewasser war als erster Jugendbischof Deutschlands nur ein Jahr im Amt. Aufgrund der politisch schwierigen Situation gab er das Amt 1936 in die jüngeren Hände Bischof Albert Stohrs (Mainz). Dass die deutschen Bischöfe zunächst Bornewasser mit dem Amt betrauten verwundert nicht, denn er hatte stets engen Kontakt zu den Jugendverbänden gehalten: Das große Reichstreffen des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) hatte 1932 in Trier stattgefunden, und die katholische Jugend des Saarlandes hatte bereits 1934 einen Bekenntnistag durchgeführt, der dann ab 1936 in ganz Deutschland durchgeführt wurde.[1] Bornewassers Nähe zur Jugend zeigt auch sein Besuch von Mitgliedern der Sturmschar im Gefängnis 1935:
[1] vgl. "Das Volk soll sehen, was ist und wo wir stehen!"
[2] Franz-Josef Krehwinkel, Sturmschar unter dem NS-Regime, in: Sie hielten stand. Sturmschar im Katholischen Jungmännerverband Deutschlands, Düsseldorf 1990, S. 110.

Hermann Klens
Priesterweihe 1905, Mitbegründer des Diözesanverbandes der Jungfrauenvereinigungen in der Erzdiözese Paderborn 1910, Generalsekretär des Zentralverbandes der Katholischen Jungfrauenvereinigungen Deutschlands 1915, Generalpräses des Zentralverbandes der Kartholischen Jungfrauenvereinigungen Deutschlands 1922, Generalpräses des Gesamtverbandes Katholischer Frauen- und Müttervereinen Deutschlands 1928, Mitglied des Dreierrats für Jugendseelsorge 1939-1945, Stellvertr. Leiter der Hauptstelle für Katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisation in den deutschen Diözesen 1945-1952, BDKJ-Bundespräses Frauenjugend 1947-1952, Generalpräses des Zentralverbandes der Katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften Deutschlands 1952–1963
Sein ganzes Priesterleben widmete Hermann Klens der Mädchen- und Frauenpastoral und prägte diese wie kaum ein zweiter. In den gesellschaftlichen Veränderungen vor allem in nationalsozialistischer Zeit sah er für junge Mädchen große Gefahren. Zwar hatte er auch unverheiratete, berufstätige Frauen im Blick, doch sah er die Hauptaufgabe der pastoralen Arbeit darin, die jungen Frauen auf ihre Aufgabe als Ehefrau und Mutter vorzubereiten. Außerdem sollten sie darin bestärkt werden, bewußt als Mädchen und Frau zu leben. „Charakteristisch für die heutige Zeit und die Lage der weiblichen Jugend ist die Betonung des kämpferischen Gedankens und der immer mehr verwirklichte Einsatz der Jugend im öffentlichen Leben einschließlich der Industrie. Die Innerlichkeit der Frauenpersönlichkeit steht in großer Gefahr.“ [1]
[1] Hermann Klens, Arbeitstagung für die Seelsorge der weiblichen Jugend mit Generalpräses Klens in Fulda und Erfurt am 2.4.12.1941, in Archiv des Jugendhauses Düsseldorf e.V., 7.1/003-002.

Franz Steber
Volontär im Jugendpflegeamt des Katholischen Jugendwerks München 1929-1922; Kanzleidienst-Anwärter bei der Stadtverwaltung München 1922-1925; Reichswanderwart des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands ab 1927; Reichsführer der Sturmschar 1929-1935; Verhaftung und Verurteilung im sogenannten Berliner Katholikenprozess 1936; Entlassung aus dem Zuchthaus 1941; Polizeihaft 1941; Leiter des Sozialbüros des Verlagshauses der Süddeutschen Zeitung 1945-1947; Direktor der Geschäftsstelle des Bayrischen Jugendsozialwerkes in München 1947-1955; Sozialreferent in der Bischöflichen Hauptstelle für Jugendseelsorge und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) 1955-1965
Der Münchner Franz Steber wurde auf dem Verbandstag des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) 1926 in Essen zum Reichswanderwart gewählt. Damit bezog er zeitgleich mit dem neuen Generalpräses des Verbandes, Ludwig Wolker, seinen Dienstsitz im Jugendhaus Düsseldorf. Die Zusammenarbeit zwischen beiden war zwar durch die Ämter bedingt eng, aber nicht spannungsfrei. Unter Stebers Leitung entwickelte sich aus den Wandergruppen des Verbandes die Sturmschar, einer dem eigenen Selbstverständnis nach Elitegruppe des KJMVD. Sie stellte an ihre Mitglieder hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubenspraxis, Bildung, Sitte und Moral. Steber führte und prägte als Reichsführer zwischen 1929 und 1935 die Sturmschar wie kein zweiter. Sein Amt übergab er 1935 an Hans Niermann während der Fahrt der Sturmschar nach Rom. Diese Fahrt war Höhepunkt und Ende seiner Tätigkeit für „seine“ Sturmschar. Wie zentral diese Jugendgruppe für Steber war, zeigt, dass er in ihrem Kreise im Petersdom in Rom heiratete.

Jakob Clemens
Priesterweihe 1914, Diözesanpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) von Köln ab 1927, Generalsekretär des KJMVD 1927-1938, Untersuchungshaft 1935,
Pfarrer an St. Engelbert in Köln 1938-1963

Hans Niermann
Weberlehre, Arbeiter in einer Weberei bis 1934, Mitglied der Sturmschar seit 1930, Diözesanführer der Sturmschar Münster, Reichsführer der Sturmschar 1935, Verhaftung 1936, Vorbereitung auf das Abitur für ein späteres Theologiestudium 1938, 1939 Einberufung, gefallen in Doncourt-sur-Meuse / Frankreich 1940
Nach seiner Weberlehre arbeitete Hans Niermann in einer Weberei in Rheine. Ab 1930 war er Mitglied der Sturmschar des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) und übernahm schließlich die Aufgabe des Diözesanführers der Sturmschar des Bistums Münster. “Auf Kursen und Treffen bemerkten wir seine hohe Begabung und seine religiöse Kraft“, schrieb der damalige Generalsekretär Jakob Clemens nach Niermanns Tod 1940.[1] Während der Romfahrt der Sturmschar 1935 wurde er als Nachfolger Franz Stebers Reichsführer der Sturmschar. Seine Amtzeit war besonders von der immer schwieriger werdenden Situation der katholischen Jugendverbände geprägt. Im Zusammenhang mit dem sogenannten Berliner Katholikenprozess wurde auch Niermann 1936 verhaftet. In den Jahren bis zu seiner Einberufung 1939 nahm er weiterhin die Aufgaben des Reichsführers der Sturmschar wahr. 1938 zog er von Düsseldorf nach Köln, um sich auf das Theologiestudium vorzubereiten und wohnte in dieser Zeit bei Jakob Clemens.[2] Niermann fiel bereits im Juni 1940 in Frankreich, wo er von seinen Kameraden auf einem Dorffriedhof beigesetzt wurde. Kurz darauf erschienen Auszüge aus seinen Tagebucheinträgen unter dem Titel „Der Weg des Soldaten Johannes“.[3]
[1]Jakob Clemens an Pater Harriolf OSB am 15.08.1940, in: Archiv des Jugendhauses Düsseldorf II/856.
[2]ebd.
[3]Der Weg des Soldaten Johannes. Aus seinen Briefen und Tagebuchblättern, zusammengestellt von Michael Brink, Düsseldorf o.J.; Briefe Niermann im Nachlass Ludwig Wolker, in: Archiv des Jugendhauses Düsseldorf e.V. 3.1/001-190.
Die Publikation wurde später durchaus kritisch betrachtet. Vgl. dazu Wilhelm Damberg, Kriegserfahrung und Kriegstheologie, darin: „Der Weg des Soldaten Johannes“ und Ludwig Wolker, in: Theologische Quartalsschrift 182(2002)4, S. 326-333.

Ludwig Wolker
Studium der Theologie und Philosophie in München und Innsbruck 1906–1911, Priesterweihe in Freising 1912, Wahl zum Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands und Vorsitzender des Reichsverbandes DJK 1926, Untersuchungshaft 1936, Tätigkeit im „Dreierrat der Jugendseelsorge“ bis 1945, Leiter der bischöflichen Hauptarbeitsstelle für katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisationen in den deutschen Diözesen 1945-1952, BDKJ-Bundespräses Mannesjugend 1947-1952, Geistlicher Leiter der DJK 1947-1953, Mitbegründer des Deutschen Sportbundes 1950
Ludwig Wolker übernahm als Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) 1926 in politisch und gesellschaftlich stürmischen Zeiten die Verantwortung für einen der größten Jugendverbände Deutschlands. Er wollte die Jungen nicht nur zu gläubigen Christen und Männern erziehen, die als Ehepartner und Väter, sondern auch als Staatsbürger bestehen konnten. Seine jugendpastorale Arbeit fasste er in den Schritten Regnum Dei, Gratia Dei, Gloria Dei und Amor Dei zusammen. Wolker war zudem an der Selbständigkeit der Jugend in Kirche und Staat gelegen, was mit dem Begriff Jugendreich immer wieder Erwähnung fand. Diese Selbständigkeit wurde durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedroht. Wolker tat sein möglichstes in Kirche und Staat um die Arbeit fortsetzen zu können. Verbote und Verhaftungen sowie den Krieg kritisierte er jedoch nicht und rief gemäß seines Verständnisses vom Verhältnis Bürger und Staat nicht zum Widerstand auf. Für ihn war dies vielmehr eine Zeit der Prüfung, die es zu bestehen galt.










