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Persönlichkeiten

Franz Rudolf Bornewasser in Bischofskleidung zwischen mehreren Kindern

Franz Rudolf Bornewasser

1866–1951
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Theologiestudium in Bonn und Köln ab 1891, Priesterweihe in Köln 1894, Direktor des Gregoriushauses in Aachen 1899, Pfarrer in Elberfeld 1909, Pfarrer in Hasselsweiler 1914, Professor für Pastoraltheologie und Subregens am Kölner Priesterseminar 1916, Stiftspropst und zugleich Weihbischof in Trier 1921, Bischof von Trier 1922, Beauftragter der Fuldaer Bischofskonferenz für die Jugendseelsorge 1935

Franz Rudolf Bornewasser war als erster Jugendbischof Deutschlands nur ein Jahr im Amt. Aufgrund der politisch schwierigen Situation gab er das Amt 1936 in die jüngeren Hände Bischof Albert Stohrs (Mainz). Dass die deutschen Bischöfe zunächst Bornewasser mit dem Amt betrauten verwundert nicht, denn er hatte stets engen Kontakt zu den Jugendverbänden gehalten: Das große Reichstreffen des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) hatte 1932 in Trier stattgefunden, und die katholische Jugend des Saarlandes hatte bereits 1934 einen Bekenntnistag durchgeführt, der dann ab 1936 in ganz Deutschland durchgeführt wurde.[1] Bornewassers Nähe zur Jugend zeigt auch sein Besuch von Mitgliedern der Sturmschar im Gefängnis 1935:

„Am 1.8.1935 kam Wachtmeister Thielen zu mir, ich sollte mich besser anziehen, mich erwarte hoher Besuch. Es war Bischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser in Begleitung eines Regierungsrates als Kontrollperson. Noch heute klingen mir seine markanten Worte im Ohr: ‚Und das sollen Sie wissen, Ihre Sache ist meine Sache‘. In Anspielung auf den Gefängnisaufenthalt von Bischof Eberhard in der Kulturkampfzeit: ‚Es ist das erste Mal seit 1874, daß ein Trierer Bischof das Gefängnis betritt‘. Er erkundigte sich eingehend über mein Befinden und Tun, versicherte mir sein tägliches Gedenken im Gebet und gab mir seinen Segen. Vorher waren Johannes Müller und Martin Krisam bei ihm, wir drei als Faktumskollegen jeder einzeln. Dieser Besuch hat unsere Stellung im Bau erheblich aufgewertet und uns zuversichtlich auf ein gutes Ende gemacht.“[2]


[1] vgl. "Das Volk soll sehen, was ist und wo wir stehen!"
[2] Franz-Josef Krehwinkel, Sturmschar unter dem NS-Regime, in: Sie hielten stand. Sturmschar im Katholischen Jungmännerverband Deutschlands, Düsseldorf 1990, S. 110.
Protrait von Hermann Klens

Hermann Klens

1880–1972
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Priesterweihe 1905, Mitbegründer des Diözesanverbandes der Jungfrauenvereinigungen in der Erzdiözese Paderborn 1910, Generalsekretär des Zentralverbandes der Katholischen Jungfrauenvereinigungen Deutschlands 1915, Generalpräses des Zentralverbandes der Kartholischen Jungfrauenvereinigungen Deutschlands 1922, Generalpräses des Gesamtverbandes Katholischer Frauen- und Müttervereinen Deutschlands 1928, Mitglied des Dreierrats für Jugendseelsorge 1939-1945, Stellvertr. Leiter der Hauptstelle für Katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisation in den deutschen Diözesen 1945-1952, BDKJ-Bundespräses Frauenjugend 1947-1952, Generalpräses des Zentralverbandes der Katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften Deutschlands 1952–1963

Sein ganzes Priesterleben widmete Hermann Klens der Mädchen- und Frauenpastoral und prägte diese wie kaum ein zweiter. In den gesellschaftlichen Veränderungen vor allem in nationalsozialistischer Zeit sah er für junge Mädchen große Gefahren. Zwar hatte er auch unverheiratete, berufstätige Frauen im Blick, doch sah er die Hauptaufgabe der pastoralen Arbeit darin, die jungen Frauen auf ihre Aufgabe als Ehefrau und Mutter vorzubereiten. Außerdem sollten sie darin bestärkt werden, bewußt als Mädchen und Frau zu leben. „Charakteristisch für die heutige Zeit und die Lage der weiblichen Jugend ist die Betonung des kämpferischen Gedankens und der immer mehr verwirklichte Einsatz der Jugend im öffentlichen Leben einschließlich der Industrie. Die Innerlichkeit der Frauenpersönlichkeit steht in großer Gefahr.“ [1]

Ab 1935 fiel ihm als Generalpräses des Zentralverbandes der katholischen Jungfrauenvereinigungen die Aufgabe zu, die neuen Richtlinien für die Jugendseelsorge bekanntzumachen. Als Mitglied des sogenannten Dreierrates für Jugendseelsorge hielt er deutschlandweit Kurse, vor allem mit mädchenpastoralem Schwerpunkt, ab. Nach dem Verbot des Zentralverbandes 1939 führte er die Arbeit so gut es ging von seinem Heimatbistum Paderborn aus fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Klens von 1947 bis 1952 erster Bundespräses Frauenjugend des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), in dem der Zentralverband aufging.

[1] Hermann Klens, Arbeitstagung für die Seelsorge der weiblichen Jugend mit Generalpräses Klens in Fulda und Erfurt am 2.4.12.1941, in Archiv des Jugendhauses Düsseldorf e.V., 7.1/003-002.
Portrait von Franz Steber

Franz Steber

1904–1983
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Volontär im Jugendpflegeamt des Katholischen Jugendwerks München 1929-1922; Kanzleidienst-Anwärter bei der Stadtverwaltung München 1922-1925; Reichswanderwart des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands ab 1927; Reichsführer der Sturmschar 1929-1935; Verhaftung und Verurteilung im sogenannten Berliner Katholikenprozess 1936; Entlassung aus dem Zuchthaus 1941; Polizeihaft 1941; Leiter des Sozialbüros des Verlagshauses der Süddeutschen Zeitung 1945-1947; Direktor der Geschäftsstelle des Bayrischen Jugendsozialwerkes in München 1947-1955; Sozialreferent in der Bischöflichen Hauptstelle für Jugendseelsorge und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) 1955-1965

Der Münchner Franz Steber wurde auf dem Verbandstag des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) 1926 in Essen zum Reichswanderwart gewählt. Damit bezog er zeitgleich mit dem neuen Generalpräses des Verbandes, Ludwig Wolker, seinen Dienstsitz im Jugendhaus Düsseldorf. Die Zusammenarbeit zwischen beiden war zwar durch die Ämter bedingt eng, aber nicht spannungsfrei. Unter Stebers Leitung entwickelte sich aus den Wandergruppen des Verbandes die Sturmschar, einer dem eigenen Selbstverständnis nach Elitegruppe des KJMVD. Sie stellte an ihre Mitglieder hohe Anforderungen in den Bereichen Glaubenspraxis, Bildung, Sitte und Moral. Steber führte und prägte als Reichsführer zwischen 1929 und 1935 die Sturmschar wie kein zweiter. Sein Amt übergab er 1935 an Hans Niermann während der Fahrt der Sturmschar nach Rom. Diese Fahrt war Höhepunkt und Ende seiner Tätigkeit für „seine“ Sturmschar. Wie zentral diese Jugendgruppe für Steber war, zeigt, dass er in ihrem Kreise im Petersdom in Rom heiratete.

1936 wurde Steber von den Nationalsozialisten im Zusammenhang mit dem sogenannten Berliner Katholikenprozess verhaftet und zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Nach seiner Haft, aus der er 1941 fast erblindet entlassen wurde, betätigte er sich in keiner Weise mehr für den nunmehr verbotenen Verband. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst in seiner alten Heimat München für Sozialwerke tätig bevor er 1955 nach Düsseldorf als Sozialreferent der Bischöflichen Hauptstelle für Jugendseelsorge und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in das Jugendhaus zurückkehrte.
Seitenprofil von Jakob Clemens

Jakob Clemens

1890–1963
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Priesterweihe 1914, Diözesanpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) von Köln ab 1927, Generalsekretär des KJMVD 1927-1938, Untersuchungshaft 1935,
Pfarrer an St. Engelbert in Köln 1938-1963

Fast zeitgleich mit dem neuen Generalpräses des Katholischen Jungemännerverbandes Deutschlands (KJMVD), Ludwig Wolker, trat Jakob Clemens seinen Dienst im Jugendhaus Düsseldorf an. Als Generalsekretär des KJMVD gestaltete er an zentraler Stelle die Entwicklung des Verbandes in den Jahren bis zum Verbot 1939 mit. Zwar stand er immer im Schatten Wolkers, was in Person und Amt gleichermaßen begründet war, doch gehörte er zu den wichtigen Persönlichkeiten des KJMVD. Neben der innerverbandlichen Arbeit trat er als Redner bei Veranstaltungen in Erscheinung, bei denen er Position für eine christlich geprägte Gesellschaft bezog, in der die Jugendverbände sich frei entfalten konnten.

Im Kontext der Verhaftungen, die zum sogenannten Berliner Katholikenprozess führten, wurde auch Clemens 1935 in U-Haft genommen. Erst nach neun Monaten wurde er krank aus der Haft entlassen. Nachdem er die Pfarrei St. Engelbert in Köln 1938 als Pfarrer übernommen hatte, blieb er in engem Kontakt mit den Mitgliedern des KJMVD und mit Ludwig Wolker. Dies galt auch und besonders in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er stand mit allen in Briefkontakt und nahm soweit möglich pastorale Aufgaben wahr. So leitete er die Beisetzung der Familie des früheren Reichsobmanns des KJMVD, Albert Steiner, der mit seiner Familie bei einem Bombenangriff in Aachen den Tod gefunden hatte. An dem Wiederaufbau der katholischen Jugendarbeit nach 1945 war Clemens dann nicht mehr beteiligt, sondern widmete sich ausschließlich seinen Aufgaben als Pfarrer.
Portrait von Hans Niermann

Hans Niermann

1913–1940
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Weberlehre, Arbeiter in einer Weberei bis 1934, Mitglied der Sturmschar seit 1930, Diözesanführer der Sturmschar Münster, Reichsführer der Sturmschar 1935, Verhaftung 1936, Vorbereitung auf das Abitur für ein späteres Theologiestudium 1938, 1939 Einberufung, gefallen in Doncourt-sur-Meuse / Frankreich 1940

Nach seiner Weberlehre arbeitete Hans Niermann in einer Weberei in Rheine. Ab 1930 war er Mitglied der Sturmschar des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) und übernahm schließlich die Aufgabe des Diözesanführers der Sturmschar des Bistums Münster. “Auf Kursen und Treffen bemerkten wir seine hohe Begabung und seine religiöse Kraft“, schrieb der damalige Generalsekretär Jakob Clemens nach Niermanns Tod 1940.[1] Während der Romfahrt der Sturmschar 1935 wurde er als Nachfolger Franz Stebers Reichsführer der Sturmschar. Seine Amtzeit war besonders von der immer schwieriger werdenden Situation der katholischen Jugendverbände geprägt. Im Zusammenhang mit dem sogenannten Berliner Katholikenprozess wurde auch Niermann 1936 verhaftet. In den Jahren bis zu seiner Einberufung 1939 nahm er weiterhin die Aufgaben des Reichsführers der Sturmschar wahr. 1938 zog er von Düsseldorf nach Köln, um sich auf das Theologiestudium vorzubereiten und wohnte in dieser Zeit bei Jakob Clemens.[2] Niermann fiel bereits im Juni 1940 in Frankreich, wo er von seinen Kameraden auf einem Dorffriedhof beigesetzt wurde. Kurz darauf erschienen Auszüge aus seinen Tagebucheinträgen unter dem Titel „Der Weg des Soldaten Johannes“.[3]


[1]Jakob Clemens an Pater Harriolf OSB am 15.08.1940, in: Archiv des Jugendhauses Düsseldorf II/856.
[2]ebd.
[3]Der Weg des Soldaten Johannes. Aus seinen Briefen und Tagebuchblättern, zusammengestellt von Michael Brink, Düsseldorf o.J.; Briefe Niermann im Nachlass Ludwig Wolker, in: Archiv des Jugendhauses Düsseldorf e.V. 3.1/001-190.
Die Publikation wurde später durchaus kritisch betrachtet. Vgl. dazu Wilhelm Damberg, Kriegserfahrung und Kriegstheologie, darin: „Der Weg des Soldaten Johannes“ und Ludwig Wolker, in: Theologische Quartalsschrift 182(2002)4, S. 326-333.

Portrait von Ludwig Wolker

Ludwig Wolker

1887–1955
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Studium der Theologie und Philosophie in München und Innsbruck 1906–1911, Priesterweihe in Freising 1912, Wahl zum Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands und Vorsitzender des Reichsverbandes DJK 1926, Untersuchungshaft 1936, Tätigkeit im „Dreierrat der Jugendseelsorge“ bis 1945, Leiter der bischöflichen Hauptarbeitsstelle für katholische Jugendseelsorge und Jugendorganisationen in den deutschen Diözesen 1945-1952, BDKJ-Bundespräses Mannesjugend 1947-1952, Geistlicher Leiter der DJK 1947-1953, Mitbegründer des Deutschen Sportbundes 1950

Ludwig Wolker übernahm als Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD) 1926 in politisch und gesellschaftlich stürmischen Zeiten die Verantwortung für einen der größten Jugendverbände Deutschlands. Er wollte die Jungen nicht nur zu gläubigen Christen und Männern erziehen, die als Ehepartner und Väter, sondern auch als Staatsbürger bestehen konnten. Seine jugendpastorale Arbeit fasste er in den Schritten Regnum Dei, Gratia Dei, Gloria Dei und Amor Dei zusammen. Wolker war zudem an der Selbständigkeit der Jugend in Kirche und Staat gelegen, was mit dem Begriff Jugendreich immer wieder Erwähnung fand. Diese Selbständigkeit wurde durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedroht. Wolker tat sein möglichstes in Kirche und Staat um die Arbeit fortsetzen zu können. Verbote und Verhaftungen sowie den Krieg kritisierte er jedoch nicht und rief gemäß seines Verständnisses vom Verhältnis Bürger und Staat nicht zum Widerstand auf. Für ihn war dies vielmehr eine Zeit der Prüfung, die es zu bestehen galt.

Als Mitglied des sogenannten Dreierrates für Jugendseelsorge war er ab 1935 an zentraler Stelle für die Umsetzung der Richtlinien für Jugendseelsorge zuständig und hielt unermüdlich Kurse und Exerzitien ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg beauftragten ihn die deutschen Bischöfe mit dem Wiederaufbau der Jugendarbeit. Dies mündete schließlich 1947 in der Gründung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dessen erster Bundespräses Mannesjugend er wurde.

Neben seiner jugendpastoralen Arbeit prägte Wolker als Vorsitzender des DJK-Sportverbandes auch den deutschen Sport. Er verfasste Grundlegendes zu Fragen von Sport und Ethik und war Mitbegründes des Deutschen Sportbundes.