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Ein Gebäude und seine Geschichte

Bauarbeiten am Jugendhaus Düsseldorf, mit einem Gerüst um das Gebäude und der Kirche im Hintergrund. Sichtbare Ziegelwände und Baustellenmaterialien.

Konzept/Text: Maria Wego
Fotos: Archiv des Jugendhauses Düsseldorf
Video: Jugendhaus Düsseldorf
© Jugendhaus Düsseldorf 2020

Ein "Glashaus" für die katholische Jugendarbeit

„Auf dieser Erde kannst du nicht allein im Geiste leben, mußt dem Geist auch ein Haus bauen. [...] Erst das Haus, dann das Pneuma. Oder vielmehr so: Eins nicht ohne das andere. Es muß Pneuma sein, Wind Gottes wehen. Aber es muß auch ein Gerüst sein und ein Haus, darin dies Wehen von oben gefaßt und erfüllt werden kann.“ So schrieb Ludwig Wolker mit Blick auf den Aufbau katholischer Jugendarbeit im Advent 1945. Dabei hatten er und weitere Verantwortliche der katholischen Jugend(verbands)arbeit aber nicht nur den organisatorischen Aufbau katholischer Jugendarbeit nach dem Ende der NS-Herrschaft im Blick, sondern auch den Bau einer neuen Zentralstelle. Standort sollte wieder Düsseldorf sein. Dort war von 1908 bis 1939 die Reichszentrale des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands, das Jugendhaus Düsseldorf, gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nun die nötigen Schritte unternommen, um das Grundstück wieder zurückzuerhalten, das die Nationalsozialisten 1939 beschlagnahmt hatten. Zeitgleich wurden Baupläne erstellt und für die finanziellen Mittel gesorgt. So konnte sieben Jahre nach Kriegsende im Jahr 1952 der erste Spatenstich erfolgen.

Gebäude
Auch wenn Anfang der 1950-er Jahre Wohnraum dringen benötigt wurde, so war das Jugendhaus Düsseldorf von Beginn an ausschließlich ein Bürogebäude. Funktionalität und modernes Design schlossen sich nicht aus. Mit den Baustoffen Glas und Beton wurde ein offenes und transparentes Gebäude geschaffen. Die Büros sind so ausgerichtet, dass alle Mitarbeitenden nicht nur Tages- sondern auch Sonnenlicht haben.
Bauherr
Auftraggeber für Architekt und Baufirmen war der Verein Haus Altenberg e.V.. Ihm gehörten Verantwortliche der katholischen Jugendpastoral an, allen voran Ludwig Wolker. Da das Jugendhaus Düsseldorf jedoch als Zentralstelle für katholische Jugendarbeit in Deutschland errichtet wurde, war der eigentliche Bauherr die katholische Jugend Deutschlands. Sie trug durch eine Bausteinaktion auch ein Fünftel der Baukosten.
Architekt
Das Jugendhaus Düsseldorf wurde nach Plänen des Architekten Bernhard M. Pfau (1902-1989) errichtet. Es war das erste Gebäude, das er nach dem Zweiten Weltkrieg in Düsseldorf baute. In den folgenden Jahren errichtete er zahlreiche Gebäude in der Stadt, von denen das bekannteste das Düsseldorfer Schauspielhaus ist.

Bauphase

Baustelle des Jugendhauses Düsseldorf mit einem Bagger, der in einem Erdhaufen steht. Im Hintergrund sind historische Gebäude und ein Kirchturm sichtbar.
Bauarbeiter auf der Baustelle des Jugendhauses Düsseldorf, einige tragen Schubkarren, andere arbeiten an der Betonform.
Baugerüst und unvollendetes Gebäude des Jugendhauses Düsseldorf, mit Holzstützen, einer Leiter und einem Haufen Ziegelsteine im Vordergrund.
Sechs Arbeiter auf einer Baustelle in Düsseldorf, die Beton auf einer Fläche gießen. Einige nutzen Schaufeln, andere einen Karren. Baustellenmaterialien sind sichtbar.
Das historische Foto zeigt eine Baustelle mit einem im Bau befindlichen Gebäude neben einem Turm, Teil des Jugendhaus Düsseldorf.
Ein historisches Foto zeigt den Rohbau eines Gebäudes auf einer verschneiten Baustelle, das zukünftige Jugendhaus Düsseldorf.
Auf der historischen Aufnahme beobachten Kinder eine Baustelle mit arbeitenden Männern im Jugendhaus Düsseldorf.
Eine historische Aufnahme zeigt das spiralförmige Treppenhaus im Jugendhaus Düsseldorf während der Bauphase.
Eine historische Aufnahme zeigt eine Wendeltreppe im Jugendhaus Düsseldorf, die sich majestätisch nach oben windet.
Nachts erleuchtete Baustelle des Jugendhauses Düsseldorf spiegelt sich im Wasser, als historische Aufnahme festgehalten.

Bauzeit

Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1952 und wurden bereits im Januar 1954 abgeschlossen. Die Entschuttungsmaßnahmen übernahm die Stadt Düsseldorf.

Baukosten

Den Grundstock für die Finanzierung legte eine Spende der amerikanischen McCloy-Stiftung. Dazu kamen finanzielle Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen und privater Spender. Gut ein Fünftel brachte die katholische Jugend Deutschlands mit einer Bausteinaktion auf. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf 1,2 Millionen D-Mark.

Neubau

Zwar sind zwischen den ersten Plänen und dem fertigen Gebäude Unterschiede zu erkennen, aber diese betreffen im wesentlichen die Gestaltung der Fassade an der Ludwig-Wolker-Straße.

Heilig Geist-Kirche

Das Grundstück liegt in direkter Nachbarschaft zur Kirche Heilig Geist, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Entwürfen des Architekten Joseph Kleesattel erbaut wurde. Zeitgleich mit der Errichtung des Jugendhauses Düsseldorf wurde auch die Kirche wieder aufgebaut.

Besonderheiten

Zwei Besonderheiten springen ins Auge - das Band aus Glasbausteinen, das sich ohne Stützen über die gesamte Länge des Gebäudes an der Ludwig-Wolker-Straße erstreckt und die frei schwebende Treppe des Haupttreppenhauses.

Grundsteinlegung

Eine Frau steht bei einer feierlichen Zeremonie vor dem Grundstein des Jugendhauses Düsseldorfs, umgeben von Zuschauern und Fahnen.
Eine historische Aufnahme zeigt Männer in Anzügen während der Grundsteinlegung des Jugendhauses Düsseldorf.
Eine Gruppe von Menschen beobachtet gespannt die Grundsteinlegung des Jugendhauses Düsseldorf.
Ein Geistlicher und ein Mann stehen bei der Grundsteinlegung des Jugendhauses Düsseldorf, umgeben von einer Menschenmenge. Der Geistliche liest etwas aus einem Buch und hält einen Hammer in seiner rechten Hand.
Ein Geistlicher legt etwas in eine Mauer während der Grundsteinlegung des Jugendhauses Düsseldorf. Zuschauer im Hintergrund.
Zwei Männer legen den Grundstein für das Jugendhaus Düsseldorf, während eine Gruppe von Zuschauern im Hintergrund beobachtet.
Ein Mann im Anzug mit einem Hammer vor dem Grundstein des Jugendhaus Düsseldorf, ein anderer Mann hält ein Mikrofon auf ihn.
Eine historische Aufnahme zeigt eine Zeremonie zur Grundsteinlegung mit Geistlichen sowie Josef Rommerskirchen, der den Text der Grundsteinurkunde vorliest.
Eine Gruppe von Menschen beobachtet gespannt die Grundsteinlegung des Jugendhauses Düsseldorf auf einer historischen Aufnahme.

Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juni 1952. Die Feier leitete BDKJ-Bundespräses Hermann Klens.

Rommerskirchen

Josef Rommerskirchen, BDKJ-Bundesvorsitzender, verliest den Text der Grundsteinurkunde.

Personen

Gute Wünsche für den Neubau sprachen neben anderen aus: BDKJ-Bundesvorsitzende Mathilde Beckers, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf  Josef Gockeln und Bernhard M. Pfau.

Einweihung

Bernhard M. Pfau und Stohr bei der Einweihung des Jugendhauses Düsseldorf in Anwesenheit von Fotografen.
Eine große Menschenmenge versammelt sich zur feierlichen Einweihung am Jugendhaus Düsseldorf, begleitet von einem Chor.
Der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings segnet die Räumlichkeiten bei der Einweihung des Jugendhauses Düsseldorf, begleitet von zwei Assistenten.
Eine historische Aufnahme zeigt die feierliche Einweihung des Jugendhauses Düsseldorf mit einer Rede von Heinrich Köpller vor einem großen Publikum.
Eine historische Aufnahme zeigt Ludwig Wolker, der bei der Einweihung des Jugendhauses Düsseldorf spricht.

Einweihung

Die Einweihung erfolgte am 2. Februar 1954, dem katholischen Festtag Mariä Lichtmess. Der Tag wurde  bewusst gewählt, da am 2. Februar 1908 das Jugendhaus Düsseldorf gegründet worden war.

Festredner

Die Weihe übernahm der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. Zu den Festrednern gehörten der BDKJ-Bundesvorsitzende Heinrich Köpller und Ludwig Wolker, BDKJ-Bundespräses von 1947 bis 1952.

Ein Haus im Wandel der Zeit

Arbeiter stehen auf Leitern und arbeiten an der Fassade des Jugendhaus Düsseldorf in einer historischen Aufnahme.
Das historische Foto von 1954 zeigt eine Außentreppe zum Garten des Jugendhauses Düsseldorf.
Konferenzraum im Jugendhaus Düsseldorf mit mehreren Personen, die in Gruppen stehen und sprechen. Zwei große, runde Deckenlampen sind sichtbar.
Decke des Konferenzraums im Jugendhaus Düsseldorf mit neun runden, eingelassenen Deckenlampen, die gleichmäßig verteilt sind.
Blick auf die Fassade des Jugendhauses Düsseldorf während der Sanierung 1997. Sichtbare Gerüste, Werkzeuge wie eine Schubkarre und Material auf dem Boden.
Blick auf eine Baustelle im Jugendhaus Düsseldorf, 1997. Ein Handwerker arbeitet an einem Fensterrahmen, während Gerüste sichtbar sind. Auf der Straße parken mehrere Autos.
Dach des Jugendhauses Düsseldorf mit mehreren Dachfenstern. Im Hintergrund sind Bäume und Gebäude sichtbar. Ein Fuchs läuft auf dem Dach.
Grünfläche auf dem Dach des Jugendhauses Düsseldorf mit mehreren runden Lichtkuppeln und umgebenden Bäumen und Sträuchern.
Ein Baugerüst aus Holz erstreckt sich entlang einer Straße in Düsseldorf, eingefangen in einer historischen Aufnahme von 1953.
Blick auf ein Gerüst am Jugendhaus Düsseldorf. Im Hintergrund sind Gebäude und Bäume sichtbar.
Blick von einem Gerüst auf eine Baustelle in Düsseldorf, im Vordergrund ein Foto einer historischen Ansicht der gleichen Straße. Sichtbare Gebäude und Gerüstteile.
Moderner Flur im Jugendhaus Düsseldorf mit lichtdurchlässigem Glasmosaik, Grünpflanzen und schwarzen Zimmertüren, die zu den einzelnen Büros führen.
Schild mit der Nummer '109' aus goldfarbenem Metall. Darunter steht: 'Archiv des Jugendhauses Düsseldorf'. Logo von 'jhd' in der unteren rechten Ecke.
Schreibtisch aus Holz im Jugendhaus Düsseldorf

Fertigstellung

Nicht alles blieb erhalten: Die Fenster öffnen sich nicht mehr nach außen, in den Garten führt heute eine Wendeltreppe und die Deckenbeleuchtung in den Konferenzräumen wurde ausgetauscht.

Sanierung 1997

1997 wurde des Gebäude umfassend saniert. Dabei wurden auch die Bänder aus Glasbausteinen erneuert.

Dach-Anbau

Das Dach des Anbaus wurde im Rahmen der Sanierung in dern 1990er-Jahren begrünt.

Gerüst

Die Veränderungen bei der Arbeitssicherheit zeigen die Fotos des Gerüstes 1953 und 2020. Die Aufnahmen entstanden etwa an der gleichen Stelle.

Innenausstattung

Architekt Bernhard M. Pfau gestaltete auch die Innenräume. Erhalten blieben die Deckenleuchten in den Fluren, die Schilder an den Bürotüren und ein Schreibtisch.